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  • Writer's pictureJanine Sauerborn

Was erwartet eine Rechtsreferendarin in Hong Kong?

Janine Sauerborn hat ihr Rechtsreferendariat über drei Monate hinaus bei der Kanzlei Ravenscroft & Schmierer vervollständigt. Zusammen mit Bruno Johnson, blickt sie zurück auf ihr Erlebnis, die Herausforderungen und Situationen, die sie bewältigt hat, und gibt uns einen kleinen Einblick in ihre zukünftigen Ziele.


Bruno: Wie hat dir diese Erfahrung geholfen?

Janine: Einen Teil meines Referendariats im Ausland verbracht zu haben, hat mich sowohl persönlich als auch beruflich gefordert. Neben den offensichtlichen Erfahrungen mit einem mir bis dahin unbekannten Rechtssystem und den interkulturellen Erlebnissen, habe ich meine Sprachkenntnisse aufgefrischt und Erfahrungen in einem internationalen Team und einer internationalen Kanzlei gesammelt. Zudem würde ich sagen, dass ich aus meinem Auslandsaufenthalt mitnehme, dass ein Schritt aus der Komfortzone zwar Überwindung kostet, aber sich im Nachhinein definitiv lohnt.


Bruno: Mit welchen Herausforderungen warst du in Hong Kong konfrontiert?

Janine: Zunächst einmal war es eine Herausforderung, mich in einem völlig fremden Land mit einer ganz anderen Kultur alleine zurecht zu finden, da ich bis zu meiner Ankunft noch niemanden in Hong Kong kannte. Man kann sich zwar zuvor informieren so viel wie man will, aber tatsächlich vor Ort zu sein, ist dann doch nochmal was ganz anderes. Glücklicherweise ist Hong Kong ein sehr touristenfreundlicher Ort.

Dann kam natürlich eine neue Herausforderung: ein neuer Arbeitsalltag und eine andere Arbeitskultur, als ich es bislang gewöhnt war, geschweige denn von dem neuen Rechtssystem, in das ich mich erst noch einarbeiten musste. Jedoch muss ich ehrlich dazu sagen, dass auch letzteres nicht so schwer war, wie ich es zunächst erwartet hatte, denn ein Gefühl und ein gewisses Verständnis für das System entwickelte sich schneller als gedacht.

Weiterhin musste ich mich auch erstmal daran gewöhnen, den ganzen Tag „in Rechtsenglisch“ unterwegs zu sein. Das war aber noch das, worauf ich mich am besten vorbereiten konnte bzw. habe, damit ich von Anfang an einen sinnvollen Beitrag leisten konnte.


Bruno: Was sind die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Hong Kong?

Janine: Es gibt viele Unterschiede zwischen Deutschland und Hong Kong, sowohl im beruflichen Alltag, als auch was das Freizeitleben angeht.


Während man in Deutschland immer mehr dazu übergeht, aus Umweltgründen E-Akten einzuführen und möglichst wenig Papierakten zu haben, wird in Hong Kong tatsächlich noch sehr viel ausgedruckt und gefaxt. [...] In Hong Kong gibt es dafür kanzleieigene Boten, die Dokumente persönlich übergeben. Dies gilt auch für Überweisungen, die oft noch in Form eines Schecks gemacht werden müssen.

Die größten Unterschiede im Rahmen der Arbeit in der Kanzlei war die ganze Papierarbeit. Während man in Deutschland immer mehr dazu übergeht, aus Umweltgründen E-Akten einzuführen und möglichst wenig Papierakten zu haben, wird in Hong Kong tatsächlich noch sehr viel ausgedruckt und gefaxt. Die Kopiermaschine läuft teilweise ununterbrochen von morgens bis abends. Damit einhergehend ist auch, dass es hier in Vollzeit festangestellte Kanzleiboten gibt, die auch wirklich den ganzen Tag unterwegs sind. Wenn man in Deutschland etwas verschicken möchte, tut man dies üblicherwiese mit der Post bzw., wenn es wirklich dringend ist, oder man einen Zustellungsnachweis haben möchte, per Einschreiben oder ähnlich. In Hong Kong gibt es dafür kanzleieigene Boten, die Dokumente persönlich übergeben. Dies gilt auch für Überweisungen, die oft noch in Form eines Schecks gemacht werden müssen.


Selbst dem modernen Rechtsanwalt sind hier leider die Hände gebunden, da diese Papieranforderungen von den Gerichten und der Regierung verlangt werden.

Zudem ist hier ein Anwalt, nicht wie in Deutschland, auch für die gerichtliche und die außergerichtliche Vertretung zuständig. Hier gibt es einerseits die "Solicitors", die nahezu allein für die Mandantenbetreuung, also die außergerichtlichen Tätigkeiten zuständig sind und sogenannte "Barrister", die allein für gerichtliche Vertretungen des Mandanten da sind.


„Wenn ich länger als drei Minuten auf die U-Bahn warten muss, dann werde ich sehr ungeduldig.“

Außerhalb der Kanzlei und der Arbeit gibt es neben den offensichtlichen kulturellen Unterschieden aber auch noch weitere. So ist beispielsweise das Verkehrsnetz hier deutlich besser und zuverlässiger ausgebaut als in Deutschland. Um den Unterschied deutlich zu machen zitiere ich an der Stelle gerne einen Kollegen, der mir in einem Gespräch mal sagte: „wenn ich länger als drei Minuten auf die U-Bahn warten muss, dann werde ich sehr ungeduldig“; wenn das nicht schon alles aussagt, dann weiß ich es auch nicht.

Der größte Unterschied zwischen Hong Kong und Deutschland ist aber, dass man in Hong Kong innerhalb einer Stunde Anreisezeit (mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wohlgemerkt) wirklich alles erreicht, was man sich vorstellen kann. Angefangen bei einem ruhigen Strand über ein Labyrinth aus Hochhäusern oder traditionelle Dörfer und viel Tradition bis dahin, dass man mitten im Wald steht und vom Stadtleben weder was sieht noch hört. Hong Kong vereint beeindruckenderweise sehr viele Gegensätze auf einer Fläche, die etwa von der Fläche dem Saarland gleicht.


Bruno: Was ist der nächste Schritt in deiner Karriere?

Janine: Wenn ich wieder nach Deutschland komme, konzentriere ich mich auf meine mündliche Prüfung des zweiten Staatsexamens, die Anfang Mai 2023 stattfinden wird. Danach geht es direkt wieder weiter, denn Mitte Mai 2023 beginne ich meinen Master of Laws (LLM.) in Berkeley, USA. Anschließend möchte ich als Anwältin im zivilrechtlichen Bereich tätig werden, gerne auch im internationalen Bereich.


Bruno: Welchen Rat würdest du anderen Rechtsreferendaren geben, die sich für einen Aufenthalt in Hong Kong interessieren?

Janine: Man sollte sich rechtzeitig Gedanken über einen Aufenthalt im Ausland machen und bestenfalls ein Jahr im voraus bewerben. Auch, wenn der ganze Aufenthalt natürlicherweise mehr Organisation bedeutet als die Station in Deutschland zu absolvieren, ist es den Aufwand auf jeden Fall wert. Ansonsten ist es, wie oben schon erwähnt, durchaus hilfreich, sich eine gewisse Grundkenntnis an Rechtsenglisch anzueignen.

Bezüglich der Unterkunft kann ich Facebookgruppen oder AirBnB empfehlen. Dort findet man leicht Wohnungen und Zimmer, auch wenn man sich zunächst mal an die kleineren Wohnungsverhältnisse gewöhnen muss.

Das Wichtigste ist aber, wie mit allem Unbekannten, einfach offen für neue Erfahrungen und Eindrücke zu sein.

 

Falls Sie interesse haben ein Rechtsreferendariat bei der Kanzlei Ravenscroft & Schmierer zu absolvieren, sollten Sie mindestens drei Monate Vollzeit zur Verfügung stehen und sich am besten etwa ein Jahr im Voraus bewerben. Und bewerben können Sie sich hier.

Garnishees – a common garnish to fraud

Insights from a Legal Intern at Ravenscroft & Schmierer I had the privilege of spending my 1L summer (1L refers to the first year of law school in North America) at Ravenscroft & Schmierer, a full-ser

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